Anfangs fiel Fliplife vor allem dadurch auf, dass man es – vor allem, wenn man beruflich eh am Computer arbeitet – quasi „nebenbei“ mitlaufen lassen konnte. Man musste nicht zeitnah reagieren, es reichte aus, das Browserspiel in einem Tab des Browsers mitlaufen zu lassen. Akustische Signale zeigten relativ dezent an, wenn eine Aktion gefordert war – zum Beispiel die Einladung zu einer Party.
Dazu sollte man wissen, dass auf lange Zeit das Grundprinzip des Spiels darin bestand, sich aus mehreren Berufen (Koch, Journalist u.a.) einen auszuwählen, um dort Aufträge (Projekte genannt) zu erledigen. Dazu braucht man Energie, die man in beim Feiern in Partys erwerben konnte. Sportliche Aktivitäten, wie Boxen, Fußball oder Tennis erhöhten die Energiekapazität, so dass man bei guter Zeiteinteilung auch anspruchsvolle Job-Aufgaben stressfrei bewältigen konnte. Dennoch: Das Spiel wurde in gewisser Weise monoton, da es unter dem Strich in einem Wechsel aus Partys und Abarbeitung von Job-Aufträgen reduziert werden konnte. Für ganz eilige Teilnehmer oder aber auch in der Not gab es die Option, gegen Bares „Credits“ zu erwerben – mit deren Hilfe konnte man zeitintensive Aktivitäten überspringen und sich an die Spitze pushen. Ein Vorteil: Die Partys waren neben dem eigentlichem Zweck kommunikativer Treffpunkt und führten dazu, dass man sich austauschte und kennenlernte. Eben das, was „Social Games“ auszeichnet.
Seit September 2010 gab es nicht wenige Updates – und zwischenzeitlich auch ein paar Tendenzen dahin gehend, dass man zu offensichtlich versuchte, an das Geld der User zu kommen. Kurz: Man konnte mit Paypal und Co fast alles aushebeln. Anstatt die Bezahlfunktion auf nette, aber nicht spielbeeinflussende Optionen, wie den Erwerb von Bekleidung, neuen Frisuren etc. zu beschränken, unterlag UP der Versuchung, den Spielerfolg mit Bargeld zu ermöglichen. Während anfangs die Energy-Drinks noch überall sichtbar herum lagen, hat man dann versucht, dies zu kaschieren: Jeder Spieler konnte die verräterischen Spuren selbst eliminieren...
Mit dem Update am gestrigen Montag (21. Februar 2011) wurde das Spielprinzip ziemlich heftig umgekrempelt. Wobei dies zunächst keine Kritik ist. Auch wenn die Gewöhnung an wochen- oder gar monatelange Rituale dazu führte, dass nicht wenige der ständigen Gamer erst einmal mit Resignation, Frustration, stillen Protest oder gar der Ankündigung des Aussteigens reagierten - Fliplife ist aus meiner Sicht wesentlich interessanter geworden. Allerdings hat es sich in der aktuellen Version meiner Meinung nach vom „Social Game“ zum Strategiespiel gewandelt: Partys sind fast nicht mehr nötig, eine Echtzeitkommunikation gibt es (immer) noch nicht und nur die Facebook-User helfen sich auf der Plattform gegenseitig. Um die Veränderungen und das neue Spielkonzept zu verstehen und bewerten zu können, muss man sich jedoch etwas Zeit nehmen. Ein einfacher Mausklick auf einen Job reicht eben nicht mehr. Und genau das gefällt mir persönlich ganz gut.
Was ist mir in den wenigen Stunden noch aufgefallen?
Positiv
- das Spiel läuft flüssiger, der UP-Hahn (zeigte stets Fehler an) kam mir bislang nicht zu Gesicht;
- die Thematik Freundschaftsanfragen wurde clever gelöst – keine Overlays stören mehr bei der aktiven Arbeit
- Cash (im Sinne von Bargeld) führt nicht mehr vordergründig zu Vorteilen im Spielverlauf;
- nach wie vor (HMTL5 hin oder her) läuft das Spiel nicht in jedem Browser optimal. Im aktuellen IE muss man nach wie vor (unter Windows) per Task-Manager über „Prozessstruktur beenden“ den Arbeitsspeicher frei räumen – bis zu 1,5 GB sammeln sich je nach Verweildauer dort an (32-Bit-Version). Die 64.Bit-Version des IE kennt dieses Problem nicht, verweigert jedoch multimediale Fähigkeiten;
- die Unausgewogenheit der Partys bzw. einen Ersatz dafür;
- der nervige Info-Ton, der eher für das Aufspüren von U-Booten geeignet ist, sollte unbedingt durch eine andere Sound-Datei ersetzt werden. Zur Not auch durch das Chat-Posting-Geräusch in doppelter Lautstärke... ;
- die Abholzeit fü die Vergütung von Jobs ist viel zu kurz für alle, die über den Tag keine Gelegenheit haben, sich in FL einzuloggen;
- es gibt noch immer keine vernünftige „Bedienungsanleitung“ – Changelog ist nur ein spärlicher Ersatz. Ebenso das Intro auf der Startseite.
- UP scheint es aufgegeben zu haben, Projekte länderspezifisch anzubieten. Zumindest sehe ich in allen Ländern die gleichen Projekte...;
- schade, dass keine neuen Berufe mit dem Update kamen. Im FB-Gespäch mit Ibo hatte ich u.a. die IT-Branche angeregt;
Update: Fliplife auf Kollisionskurs?



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