Sonntag, 9. Januar 2011

Sachsens NPD will "Zensus 2011" für eigene Ziele missbrauchen

Der NPD-Landesverband ruft derzeit seine Mitglieder auf, als "Volkszähler" bei "Zensus 2011" aktiv zu werden. In den meisten der 39 sächsischen Erhebungsstellen sucht man noch Interviewer für Haushaltsbefragungen. Das will die NPD jetzt ausnutzen, um "Rückschlüsse auf mentale Befindlichkeiten, soziale Probleme und politische Stimmungen zu ziehen".

Auf der Website der NPD Vogtland ist weiter zu lesen: "Der besondere Reiz solcher Haushaltsbefragungen liegt darin, dass man auch Eindrücke von den Lebensverhältnissen des einen oder anderen "Antifaschisten" bekommen kann."

Diese Vorstellungen der Rechtspartei, hier auf einfachste Weise an sensible Informationen zu gelangen, kollidiert aus meiner Sicht mit dem Anforderungsprofil, das an Interviewerinnen und Interviewer gestellt wird. So kann man unter "Wer die Befragungen durchführt" auf der Zenus-Webseite nachlesen: "Zuverlässigkeit und Verschwiegenheit sind Voraussetzung für die Tätigkeit als Interviewer: Sie alle werden vor Aufnahme ihrer Tätigkeit schriftlich verpflichtet, das Statistikgeheimnis zu wahren."

Um noch einmal die NPD zu zitieren: "Für öffentlich nicht bekannte Anhänger des NPD-Kreisverbandes Dresden dürfte es beispielsweise sehr aufschlußreich sein, in der Dresdner Neustadt soziodemographische Daten zu sammeln."

Meiner Meinung nach disqualifiziert sich die NPD damit selbst und es bleibt zu hoffen, dass die Personalentscheider für die Erhebungsstellen trotz personeller Engpässe den braunen Sumpf nicht in sächsische Haushalte schickt.

Sicher möchte nicht nur ich keinem NPD-Mitglied in meiner Wohnung Auskünfte über irgend etwas geben. Nein: Ich möchte sie nicht einmal an der Haustür sehen.




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Kommentare:

Robert hat gesagt…

Das Ganze ist doch mehr als PR-Aktion der NPD zu verstehen. Doch berechtigte Zweifel an der Datensicherheit gibt es natürlich. Ich habe auch kurz was dazu getextet.

Anonym hat gesagt…

Die NPD muss verboten werden!!!

Argumente erreichen die Nazis nicht.
Nur Provokationen stehen auf ihrer Tagesordnung.

Ich möchte nicht, dass der Faschismus in Deutschland wieder an die Macht kommt und sich die grausamen Verbrechen wiederholen.

Stülpner hat gesagt…

@Robert

Primär hast du natürlich Recht. Wenn das Ziel vordergründig darin bestanden hätte, Zenus zu unterwandern, wäre dies auf anderen Kommunikationskanälen an die Mitglieder heran getragen worden. Dennoch ist nicht auszuschließen, dass der Aufruf manche verirrte Zeitgenossen auf dumme Gedanken bringt. Von daher halte ich die Warnung schon für gerechtfertigt.

Da du deinen Beitrag selbst nicht verlinkt hast, tu' ich es an dieser Stelle. denn ich finde ihn interessant und eine gute Ergänzung zu meinem Posting.

@Anonym

Voraussetzung dafür wäre, dass der Verfassungsschutz seine V-Leute dort zurück pfeift. Seit Jahren ist dies der Haupthinderungsgrund, der diverse Anträge hat scheitern lassen. Hier ist die Innenministerkonfernez gefragt und ich verstehe - ehrlich gesagt - nicht, warum das so schwierig sein soll.

Und dann wäre noch zu diskutieren, ob allein das Verbot einer Partei ausreicht. Ich bezweifle, dass sich das Gedankengut hinter den drei Buchstaben so einfach verbieten lässt.

Anonym hat gesagt…

@ Stülpner

Ja, ein NPD-Verbot reicht nicht.

Wir sollten vermehrt nach den Gründen fragen. Auch wenn uns die Antworten nicht passen.

Viele gesellschaftlichen Initiativen tragen zwar dazu bei, dass das Problem nicht noch größer wird.

Letzten Endes liegt dies aber hauptsächlich in der Pflicht und Verantwortung des Staates. Er muss dafür sorgen, dass die jungen Menschen - Randgruppen - wieder eine Pespektive und eine ordentliche Schulbildung bekommen - es darf niemand ohne Bildung zurückgelassen werden.

Anonym hat gesagt…

Viele Initiativen tragen dazu bei, - darunter Razzia des LKA in mehreren Städten - dass die NPD nicht noch weiter erstarkt.

Wer den Holocaust leugnet, hat doch schon all seine Humanität verloren.

Deshalb kein Platz für Nazis - nirgends!
NEIN zu Dummheit und Rassismus,
JA zu Demokratie und Völkerverständigung - auch im Internet!

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