Donnerstag, 16. September 2010

Das Hammerschnitzel aus dem Vogtland

Es geschah in einem kleinem Ort im Vogtland. Da nahm ein Gastwirt den Begriff "freie Marktwirtschaft" etwas zu wörtlich und meinte, er könne sich von anderen Anbietern warmer Mahlzeiten positiv absetzen, in dem er besonders große Schnitzel servierte. Als Alleinstellungsmerkmal sozusagen.

Dumm nur, dass er sein Angebot "Schnitzel Hawaii" nannte. Denn das Finanzamt hat hierfür eine Vorgabe: Ein Schnitzel Hawaii darf maximal 165 Gramm wiegen, mit einer Scheibe Ananas, aber keinesfalls mit Käse verfeinert sein. Der findige Gastronom traute sich jedoch, Schnitzel von 200 bis 230 Gramm, mit zwei Scheiben Ananas und - die Dreistigkeit nimmt kein Ende - mit Käse überbacken seinen Kunden zu servieren.

Das ist nun wirklich der Hammer - fand das Finanzamt Plauen und machte folgende Rechnung auf: Zu große Portionen = zu wenig verkaufte Essen = Steuerhinterziehung. Und da nicht sein kann, was nicht sein darf, gab es gleich eine zünftige Strafe, die schwerer im Magen liegt, als ein großes Schnitzel: 38.000 EUR soll der Gastronom an Steuern nachzahlen.

Aus der Sicht des Finanzamtes gestaltet sich das Ganze so: Der Prüfer sieht anhand der Belege, wieviel Rohware der Gastronom eingekauft hat. Und wie viele Portionen er unter seine Gäste gebracht hat. Statt der angegeben 70 Portion müsste der Wirt, so will das Finanzamt Plauen berechnet haben, 200 Portionen ausgereicht haben.

Sicher gibt es in der Gastronomie - wie überall - auch schwarze Schafe, die ihre Einnahmen schön rechnen und Portionen schwarz verkaufen. Bleibt die Frage nach der Reaktion des Finanzamtes, wenn der Wirt sein Schnitzel in Anlehnung an den Ort der Begebenheit Hammermühle einfach "Hammerschnitzel" genannt hätte. Dafür hätte wohl der Prüfer vom Finanzamt eine neue Berechnungstabelle in Excel anlegen müssen, die sich an den Gegebenheiten des Angebotes orientieren.

Das Problem: Der Gastronom orientiert sich mit seinen Angeboten an der Kundschaft vor Ort. Und das sind nun einmal hungrige Arbeiter. Sonst könnte er das "goldene Kaiserschnitzel" mit Blattgold und Alba-Trüffeln für 150 EUR anbieten, wie es Genießer in einem SB-Restaurant in der Düsseldorfer Altstadt verzehren können. Allerdings sitzt auch dort das Geld bei den Kunden nicht mehr so locker: 20 bis 30 dieser Edelschnitzel werden pro Jahr verkauft.

Von einem Veto des Finanzamtes in Düsseldorf ist bis jetzt nichts bekannt. Vielleicht können sich die Kollegen vom FA Plauen mit denen aus Düsseldorf einmal zu einem Erfahrungsaustausch bei einem Arbeitsessen treffen. Es muss ja nicht unbedingt ein Schnitzel sein, was man sich dann bestellt...


Angeregt von  Schnitzel zu groß und Luxusschnitzel




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Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das ist alles Abzocke,wenn die Milliardenverbrennung nur auch so kontrolliert worden wäre,da hätten wir heute nicht so ein SCHNITZELPROBLEM schlimmer triebs wohl nicht mal karl Eduard von Schnitzler
Anita Rehbock

Stülpner hat gesagt…

Einmal abgesehen davon, dass zu DDR-Zeiten oftmals selbst kleine Schnitzel "aus" waren, finde ich bei aller Ernsthaftigkeit des Themas den Bezug auf Karl Eduard von Schnitzler doch zum Schmunzeln.

Der "Goebbels des DDR-Fernsehens" - hier der weiterführende Link für die, welche ihn nicht kennen Schnitzler bei Wikipedia - hätte wohl seine wahre Freude an diesen Geschichten aus der "bösen Marktwirtschaft"...

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