Montag, 16. August 2010

Selbsternannte Aktivisten spielen digitale Scharfschützen

Man mag zu StreetView stehen wie man mag – es begrüßen oder es ablehnen. Ich selbst habe eine differenzierte Meinung dazu, da ich ein pauschales Ja/Nein für zu simpel halte.

Letztlich ist es ein Unterschied, ob Häuserschluchten in der Großtadt oder einsame Einzelgrundstücke auf dem Land abgefahren und abgelichtet werden. Ob letzteres durch Google in absehbarer Zeit überhaupt geplant ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Manch ein Landgasthof mit Übernachtung wäre sicher ganz froh, bei Google mit zu erscheinen. Wer auf dem Land lebt und seine Hecke im Jahr nur einmal schneidet und kein Geld für einen neuen Außenputz hat, sicher eher weniger. Zumal die Zuordnung zu Personen hier viel einfacher ist, als in der städtischen Bebauung.

Insofern begrüße ich den Kompromiss, dass jeder für sich selbst entscheiden kann, ob sein Haus/Grundstück bei StreetView erscheint oder nicht.

Völlig unverständlich ist für mich hingegen die Aktion "Panoramafreiheit – Resthäuser fotografieren" , die dazu aufruft, dass sich freiwillige Fotografen bundesweit um „fehlende“ Häuser kümmern sollen. Quasi als Heckenschützen unter Berufung auf die Panoramafreiheit soll eine Art Pranger erstellt werden, auf dem die bei StreetView auf Eigentümerwunsch gefilterten Objekte „nachgereicht“ werden.

Dass das Ganze mehr als eine Spaßaktion ist, zeigen einige Kommentare, wo Namen von Politikern und Promis benannt und ausgetauscht werden.

„Ex-Bundespräsident Walter Scheel hat eine Wohnung in der K...straße 14 in B... . Wenn ich demnächst mal in der Gegend bin, wird das Haus fotografiert. Und Otto Schily hatte eine Wohnung am Sch... , Nummer irgendwas wie 72. Die Polizei stand da immer vor dem Haus. Das sollte der Hauptspaß werden“

„Menschen, die die größten Datensammlungen aller Zeiten ( Schufa und Vorratsdatenspeicherung) befürworten, sich selbst und ihren asozialen Reichtum aber verbergen wollen, müssen beobachtet werden. Und bitte anständig taggen, damit man die Herrschaften auch findet."
Anmerkung: Adresskürzung durch mich.

Für mich ist dies eine der fragwürdigsten Aktionen, die mir seit langem untergekommen ist und ich kann nur geltungsbedürftige Möchtegern-Papparazis erkennen, die auf unterstem Level auf Stunk aus sind. Vielleicht auch noch auf Anerkennung in einer Art Wettbewerb nach dem Motto „ich hab’ das Haus von Fritz Meier als erster entdeckt“.

Kurzum: Diese Aktion ist in meinen Augen der absolute Schwachsinn ohne erkennbaren direkten oder indirekten Nutzen für die Allgemeinheit, auch kann ich keine wirkliche Botschaft dahinter entdecken. Ich warte da lieber auf eines der Google-Autos. Und sollte einer dieser zur Zeit 237 eingeschriebenen Teilnehmer einmal bei mir auftauchen, dann kann ich nicht ausschließen, dass er dumm stolpert und ihm dabei die Kamera aus der Hand fällt...

Update
Die Karawane der schießwütigen Fotografen zieht weiter und ist nun unter http://streetview.mixxt.de/ zu finden. Originaltext: "Hier können sich diejenigen austauschen und koordinieren, die dem Recht auf einen Digitalen Öffentlichen Raum Nachdruck verleihen werden, indem sie alle auf Google Streetview verpixelten Gebäude selbst fotografieren und online mit offen zugänglichen Geo-Diensten verbinden werden.".










myby.de

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