Mittwoch, 28. April 2010

Flugverbot in Europa – die Aschewolke des ZDF

Das ZDF hat in seinem Blog „Kennzeichen Digital“ versucht, Zeichen zu setzen. Oder nur zu provozieren? Oder beides?

Am 19. April schrieb Michael Opoczynski unter „Kein Fluglärm? Kein Grund zur Freude!“ sein Statement. Die Rezeptur ist simpel – zu simpel für einen Wirtschaftsredakteur, der es eigentlich besser wissen müsste. Sein Blogger-Rezept: Man nehme als Feindbild einen Rentner, der in der Einflugschneise lebt und sich über den dank Flugverbot plötzlich ausbleibenden Fluglärm freut.

„Fliegen ist Globalisierung“ lautet die Kernaussage – und verweist auf die Arbeitsplätze bei den Flughäfen und den Fluggesellschaften. Sowie die verderblichen Lebensmittel, die – ebenso wie elektronische Bauteile für die Industrie – nicht ankommen.

Und: Der Rentner solle ja stille sein, denn all die beannten Betroffenen würden letztlich seine Rente erwirtschaften. Wenn kein Flugverbot herrscht.

Ich unterstelle Herrn Opoczynski einmal, dass er diesen Beitrag wider besseren Wissens geschrieben hat, mit dem Ziel, zu provozieren. Mit dem Ziel, dem Blog etwas Leben, etwas Feedback einzuhauchen. Letzteres ist ihm auch gelungen. Dumm nur, dass die allermeisten Kommentatoren den Beitrag genau so sehen, wie ich ihn empfunden habe: Als deplazierte Stimmungsmache ohne wirkliche Substanz.

Zunächst zu den Frachtflügen. Dass Gourmet-Restaurants und Verkaufseinrichtungen einmal ein paar Tage ohne frische Hummern auskommen mussten, dürfte niemanden wirklich geschadet haben. Ob Rosen aus Kenia, Weintrauben aus Südafrika und Erdbeeren von sonstwo um die halbe Welt geflogen werden müssen, kann bei dieser Gelegenheit einmal kritisch hinterfragt werden. Und was die Just in Time Produktion anbelangt: Es gibt durchaus Alternativen, die eine bessere Energiebilanz aufweisen.

Dabei muss man allerdings alle Verkehrsträger gleich besteuern. Und eine Kerosinsteuer für Flugbenzin gibt es derzeit in Europa nur in den Niederlande.

Das ist auch der Hauptgrund, weshalb Flüge innerhalb Deutschlands günstiger sind, als die Alternativen Bahn oder Bus. Geschäfts- und Urlaubsfliegende haben sich so an „den Flieger“ gewöhnt, dass das kritische Hinterfragen der Notwendigkeit einzelner Flüge kein Thema mehr ist. Zumindest die Verkehrsminister der EU haben – aus der Not heraus - Alternativen (wieder-) entdeckt und per Videokonerenz miteinander kommuniziert. Wäre dies nicht öfters (in Politik und Wirtschaft) möglich?

Das differenzierte Hinterfragen über Sinn und Unsinn in der kommerziellen Fliegerei fällt den ZDF-Redakteuren schwer. Ganz im Gegenteil: Am 23.04., als das Flugverbot aufgehoben war, gab es „Nachschlag“ von Dr. Wolfgang Herles unter dem Titel „Asche in den Köpfen - ein Nachtrag
Neben den bekannten Argumenten gab es ein neues, interessantes: Die persönliche Freiheit.

„Millionen von Passagieren wurden ihrer Freiheit beraubt - auch ihrer Freiheit, selbst zu entscheiden, ob sie das Risiko zu fliegen auf sich nehmen wollen oder nicht.“

Der gute Mann hat eines dabei völlig außer acht gelassen: Die persönliche Freiheit derer, die am Boden blieben. Oder anders formuliert: Die Bevölkerung, die im Fall des Falles nicht die persönliche Freiheit gehabt hätte, einem abstüzenden Flieger zu entkommen.

Im Nachhinein ist es ein Leichtes, vom „Sicherheitswahn“ zu sprechen. Mich würden einmal die (ggf. vorbereiteten) Beiträge interessieren, die publiziert worden wären, wäre kein Flugverbot ausgesprochen worden und ein Luftfahrtunfall zu vermelden gewesen.

Auch wenn ich die CSU eher kritisch sehe und auch mit dem BUND und den Grünen oft nicht deckungsgleich bin, so finde ich dennoch, dass das Flugverbot auf Basis der vorhandenen Fakten korrekt war, Und die genannten Kommentatoren vom ZDF bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit hier ein gewaltiges Eigentor geschossen haben. „Mit dem Zweiten sieht man besser“ stimmt wohl nur noch für das Sehen an sich, nicht mehr für die Inhalte diverser Sendungen. Eigentlich schade...




 


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1 Kommentar:

Chris hat gesagt…

Wann erscheinen denn hier wieder neue Beiträge?

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