Freitag, 8. Januar 2010

Aussteiger 2.0

„Web 2.0“ geistert seit längerer Zeit durch das Web. Manche nutzen es, ohne es zu wissen. Andere wiederum wissen die Begrifflichkeit in etwa zu deuten http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0 aber nichts mit den Offerten dahinter anzufangen.

Es geht um Angebote, wie StudiVZ oder Facebook, es geht um Twitter oder Xing. Es geht um die „soziale Vernetzung“ per Internet.

Zunächst: Ich finde, dass Online-Netzwerke für jeden Einzelnen so gut oder schlecht sind, wie er diese gestaltet und nutzt. StudiVZ kann tatsächlich Studenten hilfreich sein, ebenso werden über XING Kontakte geknüpft, die in der Folge zu Jobs oder – falls man selbständig ist – zu Aufträgen führen können.

Wer jedoch nicht Prioritäten setzen kann und meint, er müsse überall (auf jeder Plattform) und möglichst noch mit synchronisiertem Bekannten-/Freundeskreis dabei sein, der hat Web 2.0 nicht wirklich begriffen und verschenkt mit der Handhabung der ganzen Add-Anfragen und Follower-Verwaltungen wertvolle Lebenszeit. Von Chat-Räumen (schon seit Jahren im Internet platziert), in denen man sich mitunter Stunden aufhalten kann, ganz zu schweigen.

Zwei weitere Kriterien, so meine ich, sollten nicht unerwähnt bleiben.

Da sind zum Einen die Nerds, denen man auch eine gewisse Technikverliebtheit nachsagt. Das neueste iPhone mit den aktuellsten „Apps“, um dann zu twittern, dass die Straßenbahn in Hintertupfingen fünf Minuten Verspätung hat...

Das sind zum Anderen Internet-Süchtige, die den Computer und das, was sie Online zu tun glauben müssen quasi als Alibi nehmen, um den realen (und teilweise als stressig empfundenen) Leben zu entrinnen.

Diese Internet-Süchtigen unterscheiden sich von zuvor Genannten nur dadurch, dass sie ihre Zeit im Web teilweise anders verbringen – zum Beispiel als Gamer (Stichwort „World of Warcraft“). Der Versuch einer Analyse findet sich hier.

Generell scheint es so zu sein, dass es den eindeutigen Typus nicht gibt, da sich die Erwartungshaltungen an das Internet und die individuelle Nutzung dieses mischen – von der zu lösenden Hausaufgabe über den Webshop bis hin zu freiwilligen oder beruflich bedingten Netzwerken.

Da aber das Internet – im weiteren Sinne – das reale Leben widerspiegelt, gibt es zum aktuellen Mainstream der möglichst breiten Vernetzung auch bereits Alternativen, die sich als Option sehen. Eine davon ist ausgestiegen.com mit dem Motto „Freunde treffen statt Freunde adden“. Unter „Warum aussteigen?“ wird begründet, weshalb der Verzicht auf webbasierte Netzwerke sinnvoll ist.

Interessant sind einerseits die Begründungen der „Aussteiger 2.0“, andererseits aber auch die Vielfalt der Plattformen, welche diese bislang nutzten.

Allerdings ist das Konzept von ausgestiegen.com aus meiner Sicht auch noch nicht der Weisheit letzter Schluss – Jeder kann zunächst Mail-Adressen und Links publizieren. Ob die einzelnen Einträge dann geprüft werden, kann ich nicht wirklich beurteilen.

Mir fiel nur auf dass ich das Statement eines „Aussteigers“ (oder war es ein Scherzbold?), die Aussteiger könnten doch ein Netzwerk aufbauen und der Betreiber möge bitte einen Chat einrichten bei der Suche für eine Verlinkung dann nicht mehr wieder fand.

In meinen Augen ist ausgestiegen.com ein netter Anlaufpunkt für Leute, die sich über ihr bisheriges Online-Verhalten unsicher sind. Eine wirkliche Hilfe – vielleicht für internet-Süchtige – ist es nicht. Dazu sind auch die „Anleitungen“ zu schwach auf der Brust.

Wer das Gefühl hat, zu viel Zeit am Computer zu verbringen, der sollte den Rechner einfach einmal eher herunter fahren. Wer das Gefühl hat, zu viel Privates bei Facebook & Co. hinterlassen zu haben, sollte den Mut haben, einen Account einfach zu löschen. Wer unsicher ist: Die private Kommunikation per ICQ oder der schlichten E-Mail funktioniert immer noch bestens.

Und wer meint zu wissen, was er im WWW gerade tut und dies (für sich) begründen kann, der sollte dies auch weiter tun. Soviel Toleranz muss sein...






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