Freitag, 28. September 2007

Werter Herr Manfred Kratzl...

...vielen Dank für Ihre E-Mail, die ich mit Interesse gelesen habe. So recht schlau geworden bin ich jedoch aus ihrem Aufmacher nicht: Was bitteschön interessieren mich chinesische Trojaner im Bundeskanzleramt? Solange es die Chinesen es nicht bis zum Bundeskanzler schaffen, bin ich ganz entspannt...

Und außerdem: Sie wissen doch, dass die Chinesen gern einmal kopieren. Nicht nur Autos von BMW. Wer sagt denn, dass der chinesische Trojaner nicht eine Kopie des Schäuble-Trojaners ist?

Ihre E-Mail war ja sehr lang. An irgend einer Stelle haben Sie dann versucht, den Aufhänger zu erläutern: "Nach Informationen des SPIEGEL versuchen Hacker aus Fernost weiterhin, Schadprogramme in Regierungs-PCs einzuschleusen."

Ja und? Ich habe auch schon versucht, bei meiner Bank 100 Millionen Euro per Online-Banking abzuheben...

Natürlich sind Sie daran interessiert, dass mir nichts widerfährt und führen eine ganze Menge an Argumenten auf, warum ich Ihren Gratis-Service in Anspruch nehmen sollte. Selbst auf der Website des Fachverlages für Computerwissen in Bonn, wohin alle Links letztendlich führen, betonen Sie immer wieder das Gratis-Angebot.

Das Dumme ist nur, dass Leute wie ich gezielt nach ganz kleinem, hellgrauen und unauffälligem Text suchen. Und siehe da: Ihr Interesse ist doch nicht ganz uneigennützig, wie es auf den ersten Blick scheint. Konvertiert man die Miniaturschrift in eine lesbare Farbe und Größe, steht da plötzlich: "Bei Gefallen zahlen Sie günstige 39,75 € im Quartal. Der Online-Service wird regelmäßig um weitere Beiträge ergänzt und Sie werden über die neuen Beiträge per E-Mail informiert. Sie können diesen Service selbstverständlich jederzeit stoppen."

Auf gut deutsch: Ihr vermeintliches Gratisangebot ist ein Jahresabo von stolzen 159 Euro. Ich möchte Ihnen daher mitteilen, dass ich das Angebot nicht wahrnehme.

Und ich frage mich, was für mich das größere Übel ist: Chinesische Trojaner im Kanzleramt oder windige Geschäftemacher, die mir ein Abo unterjubeln wollen. Ich glaube, Sie sind intelligent genug, diese Frage selbst zu beantworten.

Herzlichst, Ihr Stülpner




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Sonntag, 2. September 2007

Das Grauen hat einen Namen: Internetradio

Eigentlich ist es gute Alternative zum gewöhnlichen Dudelfunk - das Webradio mit seinen vielfältigen Angeboten. Wären da nicht die vielen Möchtegern-Musikmacher, die das anscheinend als Hobby betreiben, aber sich zwischen den Stationslisten der professionellen Macher plazieren...

Da sind emotionslos kreischende Frauenstimmen, bei denen man Angst haben muss, dass die Festplatte bei den Frequenzen bleibend Schaden nimmt. Und die Vermutung nahe liegt, dass die Damen in der einen Hand das Mikrofon und in der anderen das Dampfbügeleisen haben. Dies würde auch die oftmals langen Pausen zwischen Musik und Moderation (kann man dies überhaupt so nennen?) erklären: Die Bügelwäsche muss erst vom Tisch...

Hinzu kommen noch die falsch getaggten Musiktitel - hier scheint jeder nach Belieben mit dem Editor seine Phantasien auszuleben. Und so wird Heino auf dem einen Kanal plötzlich zum Pop-Musiker, während CCR-Titel auf einem anderen Kanal unter Schlager auftauchen. Von der Schere, die an den MP3-Dateien angesetzt wird, noch gar nicht zu reden - ein 3:40-Titel wird, so scheint es, von Anbieter zu Anbieter weitergereicht - immer und immer wieder um die Anmoderation bereinigt. Irgend wann ist der Titel dann nur noch 2:50 lang...

Dass mitunter der gleiche Titel in den Playlisten mehrfach zu finden ist, liegt nicht nur, aber auch an der uneinheitlichen und teilweise auch falschen Schreibweise der Interpreten. Dabei gibt es freedb2.org und andere Online-Datenbanken, die auf das Einfachste zu nutzen sind.

Kurzum: Was manche an "Sendungsbewußtsein" an den Tag legen, ist einfach grauenhaft und nicht wirklich eine Alternative zum Rundfunkempfang per Antenne. Dies zumindest ist meine Erfahrung nach vier Wochen ClipInc-Radio.

Wobei es glücklicherweise auch eine ganze Menge Stationen gibt, die auf Qualität setzen und den Gesamteindruck dann wieder relativieren. Stellvertretend seien 1Live und Wunschradio (von den deutschsprachigen Angeboten) genannt - da sitzen erkennbar Profis am Mischpult.

Einen anderen Ansatz verfolgt last.fm - hier kann man sich Step by Step sein individuelles Radioprogramm zusammenstellen. Und dann - auf Basis der Hörgewohnheiten - nach Stimmung und Laune die passende Musik hören. Dies funktioniert prinzipiell ganz gut. Ich wundere mich allerdings, dass man mir - der ich gerne mal Led Zeppelin und ZZ Top höre - ständig die (Horror)Gruppe Caliban unterjubeln will...

Und: Während man bei ClipInc auf Wunsch MP3-Mitschnitte auf der Festplatte hat, ist dies bei last.fm ohne Umwege nicht möglich. Auch störend: Die Titel sind nicht normalisiert, d.h. bedarf es regelmäßig der Lautstärkekorrektur.

Eines aber bieten beide Offerten: Man findet regelmäßig neue, unbekannte und interessante Musiktitel oder entdeckt alte, vergessene Songs wieder. Das ist etwas, was man von den 50-Stunden-Musikschleifen des Dudelfunks schon lange nicht mehr erwarten kann.

So wundert es nicht, dass das Internetradio immer mehr Anklang findet: "Nach der ARD/ZDF-Onlinestudie 2007 nutzen 11% der Internetsurfer mindestens einmal wöchentlich Webradio per Livestream. Im Jahr 2003 waren es noch 7%. Europaweit hören mehr als 20 Millionen Menschen Internetradio."

Quelle: Wikipedia




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