Mittwoch, 30. Mai 2007

Lisa: Wer soll dein Herzblatt sein?

Wer meint, es geht um die von Rudi Carrell erstmals 1987 moderierte Show in der ARD, liegt falsch. Aber um Holländer geht es dennoch - um den TV-Sender BNN, welcher "De Grote Donorshow", übersetzt "die große Spendershow", produziert vom Medienkonzern Endemol, am Freitag ausstrahlen will.

Was unter der Schutzbehauptung der "Sensibilisierung der Menschen für die Problematik Organspende" konzipiert ist, ist nicht mehr und nicht weniger als eine makabere Gameshow, bei der die Zuschauer und letztendlich die Spenderin Lisa, welche die endgültige Entscheidung zu treffen hat, über Tod oder Leben von drei Menschen bestimmen.

Den drei Kandidaten kann man keinen Vorwurf machen - sie tun dass, was wohl jeder in einer solchen Situation tun würde: Sie nutzen die Chance, die mit 1:3 höher ist, als auf der offiziellen Warteliste. Was in der todkranken 37jährigen Lisa vorgeht, können wir Nichtbetroffenen wohl nicht einmal erahnen und sollten uns mit Schuldzuweisungen zurück halten.

Voll in der Verantwortung hingegen stehen Endemol und vor allem der Sender, der sich über alle Proteste bislang hinweg setzt und an der Ausstrahlung festhält. Der Sender hat ein nicht zu unterschätzendes Vertrauen in der Politik und Bevölkerung, doch Endemol ist schon in der Vergangenheit mit Blick auf die Quote nicht gerade feinfühlig vorgegangen. Eine gute Quote ist der Sendung am Freitag sicher, denn noch nie zuvor wurde im holländischen Fernsehen so heftig über anderthalb Stunden im Abendprogramm gestritten.

Damit - so könnte man schlussfolgern - wäre das Ziel als vermeintliches Anliegen eigentlich schon erreicht und man könnte die Show absetzen und durch eine gut gemachte Dokumentation ersetzen. Beispielsweise darüber, wie die reguläre Spendenpraxis ist, wie mit Spendern und Organen im Fall der Fälle umgegangen wird und warum es überlegenswert ist, sich als Spender zur Verfügung zu stellen.

So, wie es jetzt aussieht, werden sich Spender fragen müssen, ob ihre Organe eines Tages in der Lotterie verlost werden. Und damit wird die Behauptung der Verantwortlichen über das humane Anliegen Ad Absurdum geführt.



KarstadtQuelle Versicherungen



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